1. Zukunftskonferenz Sport

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CDU. Über Goslars Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Im Jahr 2006 flatterte eine Einladung herein. Als Teil der Goslarer Sportszene wollte eine der bekanntesten Parteien Goslars (CDU) uns gerne dabei haben, wenn über Zukunft und Sport debattiert werden würde. Konserviert haben wir von diesem Großereignis den folgenden Erlebnisbericht von Kompetenzteamgründer Arne:

Die CDU Goslar lud die Goslarer Sportvereine zur 1. Zukunftskonferenz Sport, einer jener Veranstaltungen, deren Zahl kurz vor der nächsten Wahl (hier vom Bürgermeister) stark zunimmt. Natürlich war der 1. Golfklub Goslar, als renommiertester Golfverein am Platze, ebenfalls eingeladen und in Form eines Kompetenzteams (Philipp und mir, Arne) vor Ort.

Erlebnisbericht

Aufgrund einer kleineren Verspätung bekamen wir von der Begrüßung nicht viel mit, verschmerzten dies aber professionell und widmeten uns sofort der Getränkekarte, deren Preise üppig und zu begleichen jedem selbst überlassen waren. Derweil führte das CDU-Kompetenzteam in die Goslarer Finanzen den Sport betreffend ein. Den Sport, und die Jugendzentren. Die würden nämlich, das ließ sich wortreichen Ausführungen entnehmen, die gleiche Förderung wie die zahlreichen Vereine erhalten - immerhin satte 845.000 €*. Hei, war da das Geraune groß im Saal. (Im Kompetenzteam des 1.GKG kommt die Frage auf, wo wir eigentlich bei der Verteilung der Förderungsgelder bleiben. Sollte da noch was zu holen sein?) Drei popelige Jugendzentren verschlingen genauso viel Geld wie Goslars gesamte Bewegungsindustrie? Kann man da nichts machen? Man kann. Was tun die paar Jugendzentren denn schon, wie viele Jugendliche erreichen sie? Kein Vergleich zur Integrativen Arbeit, die Tag für Tag an rund 5000* Jugendlichen auf Goslarer Sportstätten geleistet wird. (Im Kompetenzteam des 1. GKG werden angesichts der Tatsache, dass scheinbar alle per Du sind außer uns (außer untereinander) Änderungsansätze diskutiert.)
Nur vernünftig, dieses Erfolgskonzept nicht mit Kürzungen zu dämpfen, und die CDU Goslar ist vernünftig. In Zukunft, und um die geht es ja, soll sogar mehr investiert werden. Das Geld würde aus der Finanzierung der wirklich überbewerteten Jugendzentren kommen - wozu braucht eine Stadt wie Goslar auch drei* Jugendzentren.

(Im Kompetenzteam des 1. GKG geht es mittlerweile um die Tatsache, dass niemand im Raum sportlich ist, nicht mal der Vorsitzende des Ausschusses Bildung, Jugend, Soziales und Sport, der wie wir erfahren durften, mal aus vier Ausschüssen bestand, und in dem der Sport jedem hier viel zu wenig repräsentiert wird. Wir schließen uns dieser vorherrschenden Meinung erst mal an.) Nun kommt Armin Kalbe zu Wort: „Ich habe nicht das Patentrezept.“ - gut, dass wir das geklärt haben.

(Das Kompetenzteam des 1. GKG ist sich mittlerweile sicher, auch vom Kreissportbund Mittel beziehen zu können - jede Beschwerde über Kürzungen eröffnet neue Geldquellen!)
Weniger kurz als der Armin fassen sich leider alle anderen, so dass von CDU-Seite auf kürzere Redezeiten mit prägnanterem Argumentationsverlauf gedrungen wird. Dies ignorierend reißt Sikora das Wort an sich und behält es erst mal. Als er es endlich wieder hergibt, wird von CDU-Seite auf kürzere Redezeiten mit prägnanterem Argumentationsverlauf gedrungen. In aller Kürze natürlich. Nachdem dies geklärt ist, geht es erneut gegen das selbst erkorene Lieblingsziel der CDU. Ein gewisser Schmidt, ein zartes Bürschchen im rosa Hemd, sieht diesbezüglich gar finanzielle Synergieeffekte für die Sportvereine am Horizont heraufziehen. (Das Kompetenzteam des 1.GKG beschließt, in Zukunft vorsichtiger zu sein; wir haben vor allem Angst was wir nicht verstehen) Gebetsmühlenartig wird die Formel „deren Geld an euch“ wiederholt, die Integrationskraft Goslarer Vereine angepriesen: „Die Zeit der großen Jugendzentren ist abgelaufen!“. (Dem Kompetenzteam wird klar, dass es vorteilhaft ist, zu „euch“ zu gehören und plant mehr integrative Arbeit für z.B. Donnerstag)

Inzwischen ist es gelungen, mittels eines Beamers eine Powerpoint-Präsentation an die Wand und teils auf Armin Kalbe zu werfen. Nacheinander flimmern nach einem „Willkommen“ Bilder der Goslarer Sportschwerpunkte über die Wand und Armin. CDU-Frontmannstocher Schober mit ihrer Laientanzgruppe, den J.E.T.s darf natürlich genauso wenig fehlen wie Breitensport Fußball und Tennis und - einem Golfball! (Freudentaumel und Schulterklopfen im Kompetenzteam des 1. GKG) Nebenbei werden im Saale unser aller vier* sozialen Stützen kundgetan: Familie, Vereine, Kirchen, Politik.Außerdem leben wir in einer Wettbewerbsgesellschaft. (Das Kompetenzteam des 1. GKG konkurriert sofort - um die Aufmerksamkeit der Bedienung.)

Philipp, ganz im Wettbewerbsfieber, konkurriert um das Wort - und erlebt die Nachteile einer Wettbewerbsgesellschaft. Aber ganz Sportsmann probiert er es erneut. Mit Erfolg. Leider findet seine Differenzierung zwischen der integrativen Arbeit von Jugendzentren und Sportvereinen nicht die verdiente Resonanz und wird mit dem Hinweis auf „Schnittmengen zwischen den Aufgaben von Sportvereinen und Jugendzentren“ abgewiesen, Aufgaben übrigens, für die die Vereine nicht auf eine Aufwandsentschädigung seitens der Stadt hoffen können. (Das Kompetenzteam des 1. GKG fragt sich, was aus dem Geld der bisherigen Jugendzentrum- und künftigen Vereinsfinanzierung geworden ist) Nach dieser rethorischen Abrissbirne geht Sikora noch mal mit der Planierraupe drüber: „Jeder Jugendliche, der für einen Verein tätig ist, hat keine Drogenprobleme, keine Alkoholprobleme (Dankbarkeit für diese Differenzierung seitens des Kompetenzteams des 1. GKG) und weniger soziale Probleme!“ Da weiß erst mal keiner was zu sagen. Doch, einer, der Schober. Er plädiert für eine bessere Nutzung und Pflege der vorhandenen Sportstätten und umreißt gleich die Probleme der Zukunft: Jugend, Frauen, Familien, Senioren. (Das Kompetenzteam des 1. GKG diskutiert, ob das nicht eben noch unsere sozialen Stützen waren)

Die Lösung für diese und andere Probleme liefert wieder der blasse Schmidt: Die Ehrenamtscard. Da ja kein zusätzliches Geld da sei, müsse das Ehrenamt gefördert werden. Das wäre am besten möglich mit einer Plastikkarte, die unbürokratisch erteilt werden könne und die Vergünstigungen für ehrenamtlich tätige brächte. Natürlich nur für langjährig Tätige, die von den Vereinen vorgeschlagen werden. An dieser Stelle meldete ich mich zu Wort um Bedenken bezüglich der tatsächlichen Ehrenamtsförderung dieses Unterfangens anzubringen - und meine Worte verhallen unverstanden, schließlich „haben wir doch in Deutschland eine ohnehin verkümmerte Kultur des Dankes“. (Das Kompetenzteam des 1. GKG straft den Kerl lügen indem es ihm äußerst Dankbar ist als er fertig ist)

Kurz bevor Schober den Laptop an sich reißt und im Windows-Systemmanager herumstöbert, flimmert noch ein Glanzstück der modernen Werbekunst über die Wand und Armin: SPORT FINDET STADT! So einfach und doch so hintergründig. Schnell noch ein paar J.E.Ts-lastige Sportimpressionen, ein fröhliches „Herzlich willkommen und guten Abend“ und schon ist es vorbei mit der 1. Zukunftskonferenz Sport.

Im Anschluss ließ sich gar Armin „Leinwand“ Kalbe noch auf einen kleinen Plausch mit uns ein - über Urlaub in Mecklenburg (da gibt es zahlreiche Golfplätze), gewünschte Golfplätze bei der Sondermülldeponie Paradiesgrund und ähnlichem, genug, um mich den Zug verpassen zu lassen

* für die Richtigkeit dieser Zahl würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen.