Pro Crossgolf

Hmjamm hmjamm hmjamm

Klar, wenn man Golfbälle mit Golfschlägern in Richtung eines Zieles schlägt, dann spielt man irgendwie Golf.

Wenn man das bietrinkenderweise auf irgendwelchen Wiesen oder in irgendwelchen sonstwie geeigneten Umgebungen, abgsesehen von Golfplätzen veranstaltet. Und wenn die Golfenden niemals eine Platzreife erlangten und das auch nicht vorhaben zu ändern. Und wenn die Geselligkeit im Mittelpunkt steht und nicht das zügige 18 Löcher spielen. Wenn für die Wahl der Schläger viel wichtiger ist "mit welchem Ding der da eben den Ball so schön getroffen hat", als die Distanz zum Ziel. Und wenn es den Golfenden verhältnismäßig scheißegal ist, ob irgendwer Mitglied in irgendeinem vollkommen überteuerten Verein ist, oder ob irgendwer irgendwie gekleidet ist. Dann spielt man ganz sicher kein Golf im herkömmlichen Sinne mehr.

Dann spielt man Crossgolf. Wo alles so angenehm locker ist und wo es (meistens) gar kein Green gibt (auf dem sich ja ein nicht unwesentlicher Teil des herkömmlichen Golfens abspielt). Klar wird beim Crossgolf gegolft. Aber auf einem Golfplatz kann man kein Crossgolf spielen. Fürs Crossgolf braucht man Unwegsamkeiten und keine Platzreife. Keine dämlichen Zugangsbarrieren, sondern Schläger, Bälle und ein bisschen Platz.

Zur Veranschaulichung zitiere ich noch ein bisschen von der Homepage unseres Nachbargolfvereins:

Ruhe: Wenn sich ein Spieler auf einen Schlag vorbereitet oder einen solchen ausführen möchte, so stellen Sie sich am besten ihm gegenüber auf. Stehen Sie nicht zu dicht bei ihm, stehen Sie nicht hinter seinem Rücken und auch nicht hinter seinem Ball. Vermeiden Sie in diesem Moment jegliche Geräusche und Bewegungen. Achten Sie auch auf Ihren Schattenwurf.

Hmm naja. Vielleicht ein bisschen übertrieben, was?

Selbstbeherrschung: Unterlassen Sie jegliche Temperamentsausbrüche auf dem Golfplatz.

Hihihi.

Handy: Die Benützung von Mobiltelefonen ist auf dem Golfplatz strikt untersagt. Auf ihren Gebrauch sollte auch im Clubhaus sowie auf der Driving Range verzichtet werden (Ausnahmen bestehen für Ärzte und Bereitschaftsdienst). Es ist dennoch empfehlenswert, das ausgeschaltete Telefon auch während der Golfrunde dabei zu haben, damit bei Not- und Unfällen rasch Hilfe herbeigerufen werden kann.

Hört hört!

Kleidung: Standesgemäße Kleidung verbietet Damen ärmellose Oberteile ohne Kragen genauso wie Trägerleibchen und den Herren Shirts ohne Kragen. Bluejeans sind ebenfalls verpönt. Shorts sollten eine angemessene Länge aufweisen.

Na, jetzt wirds aber kurios.

Bälle: Es ist strengstens verboten, mit Driving Range-Bällen auf dem Platz zu spielen. Diese Bälle wurden dem Eigentümer ( i.d.R der Head-Pro ) gestohlen. Das Spielen mit Driving-Range-Bällen auf dem Platz zieht eine sofortige Platzsperre nach sich.

Eigene Ausrüstung: Es ist verboten, zu zweit mit nur einem Golfbag zu spielen (Ausnahme: Sie spielen als Team gemeinsam nur einen Ball ).

Endlich mal sinnvolle Regeln!

9. Rücksichtnahme auf Damen

Damen und Herren: Auf den sonst üblichen Grundsatz „ladies first“ wird am Abschlag mit gutem Grund verzichtet. Das führt allerdings immer wieder zu folgendem unangenehmen Szenario, wenn eine einzelne Dame mit mehreren Herren auf die Runde geht: Die Herren schlagen ab, laufen los, und vergessen dabei fast, am Damenabschlag innezuhalten. Nun ist die Dame an der Reihe, und kaum hat sie den Ball abgeschlagen, laufen die Herren schon wieder los. Die Dame schaut dem Ball nach, klaubt ihr Tee auf und steckt den Schläger zurück in die Golftasche. Einsam zieht sie den Herren hinterher. Weil sie nun oftmals noch den kürzesten Abschlag hatte, ist sie als erste wieder an der Reihe; die Herren warten bereits bei ihrem Ball und die Dame fühlt sich unter Druck.

Deshalb eine Bitte an die Herren: Zügeln Sie Ihre Ungeduld und spielen Sie wirklich zusammen mit den Damen Golf. Es wäre schade, wenn die Damen nur noch am Ladies Day zum Golfspiel erscheinen würden.

Na, wenigstens denkt auch mal einer an die Frauen.

Im Grunde doch eigentlich genau wie bei uns, nur mit besser gemähten Wiesen, oder? Und ne 10er-Karte gibts mit goldenem Hologramm auf einem gültigen DGV-Ausweis auch schon für läppische 320 Tackos. Wer nicht gülden hologrammt, der muss leider etwas mehr berappen. Man kann natürlich auch einfach Mitglied werden. Wenn man den nachvollziehbaren Unkostenbeitrag von 3.000 € auf den Tisch legt, darf man sofort mitmachen (vorausgesetzt man überweist anschließend monatlich).

Ich distanziere mich eigentlich doch ganz gerne.

Pro Golf

Ich spiele Golf. Ich habe einen Golfschläger, ich habe Golfbälle und ich tue genau das, was mir Spaß macht: ich dresche den Ball da hin, wo ich will. Naja, in etwa da hin, wo ich will. Meistens. Um das tun zu können, braucht es eine geeignete Fläche. "Geeignet" ist hier ein weites Feld und reicht von Schutthalde über Industrieruine bis hin zur frisch gemähten Wiese, was halt da ist und was Spaß macht. Verglichen mit einem Nur-Platz-Golfer spiele ich also ein recht crosses Golf. Aber ich spiele auch gerne auf einem Golfplatz mit Kastratenrasen und akkurater Mahtkante. Die Dinger sind dafür gemacht; ist doch klar, dass das Spaß bringt. Deutschlands Club-Zwang ist für den Arsch und das Gefühl auf einer einsamen Wiese mit ein paar Freunden zu golfen ist kaum zu übertreffen - aber den Ball mit einem Schlag auf's Grün zu befördern und mit 2 gekonnten Puts zu versenken und dabei nicht auf Mähttermine zu warten, hat eben auch etwas für sich. Wenn es denn mal klappt.

Also spiele ich Golf - und die andern spielen Platzgolf; die schränken sich ein, nicht wir. Nun ist es schon so, dass "Golf" für das Spiel auf dem gepflegten Platz synonym ist. Aber ob wir nun "Crossgolf" erklären oder "Golf überall" ist eigentlich egal. Das Bedürfnis von Crossgolfern, sich von "echten" Golfern zu differenzieren, ist z.T. verständlich, aber auch oft auf Mutmaßungen begründet. Elitäres Gebaren wird als sporttypisch angesehen und abgelehnt. Kleiderordnungen, Mitglieds- & Platzreifezwang sowie die oft hohen Kosten  gehören nicht zum Golf, sondern sind Ideen der Clubs / des Verbandes (die / den scheisse zu finden völlig okay ist). Die Etikette, von Crossgolfern oft abgelehnt, haben damit übrigens nichts zu tun.

Golf ist, was wir draus machen. Sympathische Leute spielen symphatischen Golf, wo, womit und wie auch immer. Jeder kann es tun, es kostet (fast) nichts, wenn die Wiesen frisch gemäht sein sollen, kostet es halt mehr, ich hau aber immer noch den gleichen Ball auf die gleiche Weise.  Machen wir diesen geilen Sport doch nicht kleiner als er ist, indem wir ihn präfixen.

Minigolf. Swingolf.

Crossgolf?

Golf!